Rezension August 2018

Prague Baroque Soloists | Jan Dismas Zelenka: Psalmi Vespertini IIII

Jan Dismas Zelenkas Sakralmusik wird gemeinhin großer Respekt gezollt, aber so richtig angekommen ist sie im gegenwärtigen Musikbetrieb immer noch nicht. Das mag bei den Messen daran liegen, dass die Themen oft recht lang sind und ihre Verarbeitung dementsprechend komplex ausfällt, was einen rein akustischen Nachvollzug erschwert.

Anders sieht es allerdings bei jenen Vesperpsalmen aus, die zwischen 1725 und 1728 für die Dresdner Hofkapelle entstanden und nur dreieinhalb bis vierzehn Minuten dauern: Hier sind die musikalischen Einheiten überschaubar und durch den raschen Wechsel von Soli und Tutti klar gegliedert. Zugleich bleibt der Komponist sich auch hier treu, indem er immer wieder in eine überraschende Richtung moduliert und die Musik sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen mit interessanten Details anreichert. Dadurch fallen seine Stücke sehr charakteristisch aus: Sie sind weder so oberflächlich wie vergleichbare italienische Kompositionen dieser Zeit noch so trocken wie manche Werke von Zelenkas Lehrern.
Der tschechische Organist und Dirigent Adam Viktora hat sich diskografisch wie sonst nur noch Frieder Bernius, Václav Luks und Marek Štryncl um die Musik des Dresdner Hofkomponisten verdient gemacht. Seine zehnte Produktion umfasst die Psalmen ZWV 70, 84, 87, 91, 94, 98, 100 und 101, ergänzt um das doppelchörige Offertorium „Da pacem Domine“ ZWV 167.

Hier wie schon in den beiden vorangegangenen Aufnahmen der Vesperpsalmen – die den Zyklus abschließende vierte soll dieses Jahr entstehen – beeindrucken das warme, homogene Klangbild des 23-köpfigen Chores, das federnde und einerseits prägnante, andererseits nicht übertriebene Spiel des Orchesters sowie die Balance, die Viktora zwischen weiten, erhabenen Gesten und punktgenauer Detailgestaltung herstellt. Es besseres Plädoyer für Zelenka kann man sich derzeit nicht vorstellen.

Matthias Hengelbrock