Rezension Dezember 2018

Liza Ferschtman | Korngold: Violin Concerto, Op. 35 & Bernstein: Serenade After Plato's "Symposium"

Beide auf dieser CD vereinten Werke entstanden in den USA binnen weniger Jahre um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Korngold, das ehemalige Wiener Wunderkind, wurde nach seiner erzwungenen Emigration einer der erfolgreichsten Komponisten in Hollywood. Für diese Komposition benutzte er musikalisches Material aus vier Filmen, was ihm prompt schlechte Presse einbrachte.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist das 1947 uraufgeführte Werk zu einem der meistgespielten Violinkonzerte aus jener Zeit avanciert. Korngold beschrieb den ersten Interpreten, Jascha Heifetz, als „Caruso und Paganini in Personalunion“, und bis heute müssen sich Geiger an dessen maßstabsetzender Aufnahme messen lassen.
Liza Ferschtman braucht keine Vergleiche zu fürchten, weder bei den gesanglichen Stellen, die sie mit überirdisch schöner Tongebung vorträgt, noch bei den technisch geprägten Passagen. Denen mag zwar das letzte Quäntchen Draufgängertum fehlen, das Heifetz’ Spiel charakterisierte – Ferschtman macht es jedoch wett durch ihre fantasievolle Gestaltung einer jeden Phrase und die Geschlossenheit ihrer Konzeption. Die Prager Sinfoniker schwelgen in Breitwandseligkeit.

Auch Bernsteins 1954 entstandene Serenade wurde einem Geigenvirtuosen auf den Leib geschrieben, in diesem Fall Isaac Stern, der – wie übrigens auch der Komponist selbst – trotz seiner ukrainischen Herkunft als Inbegriff eines US-amerikanischen Musikers gilt. Die feinen thematischen Querverbindungen, die das Werk durchziehen, werden von Ferschtman und ihren niederländischen Landsleuten liebevoll herausgearbeitet, die jazzigen Anklänge im Finale dezent untertrieben. Die technische Qualität dieser Konzertmitschnitte ist hervorragend: Jede Nuance der beiden unendlich filigranen Partituren wurde lebensecht eingefangen.


Carlos María Solare