Rezension Oktober 2018

Christophe Rousset | Louis Couperin: Nouvelles Suites de clavecin

Louis Couperin war eine Entdeckung des Pariser Hofcembalisten Chambonnières, der die Musikerfamilie Couperin aus der Provinz holte und an den Königshof band. In Paris traf Couperin auf Froberger, eine der fruchtbarsten Begegnungen der Musikgeschichte. In den berühmten „Préludes non mesurés“ Couperins – Tastenstücke, die in ganzen Noten notiert sind und deren Charakter und Rhythmus der Spieler selber entdecken und ausgestalten muss – schlug sich Frobergers Toccatenkunst nieder, in dessen Suiten wiederum das gemeinsame Bemühen um die Weiterentwicklung dieser Gattung.

Louis Couperin starb mit 35 Jahren und hinterließ einen großen Bestand an einzelnen Cembalosätzen, heute verteilt auf drei handschriftliche Hauptquellen. Christophe Rousset hat für sein Doppelalbum 68 davon zu elf Suiten geordnet, zunächst nach Tonarten, dann mit dem Ziel einer wirkungsvollen, an der noch jungen Suiten-Tradition orientierten Satzfolge. So kommt der Hörer in den Genuss von neun der sechzehn Préludes; dazu kommen sieben Chaconnes, die zweite Gattung, die Louis Couperin auf einsame Höhen führte.

Rousset entfaltet die Musik Louis Couperins als Klangsensation. Er musiziert auf einem Cembalo, das 1652 von Ioannes Couchet in Antwerpen gebaut und 1701 in Frankreich umgebaut wurde. Mitteltönig gestimmt, entwickelt das Instrument vor allem in den Préludes und Chaconnes rauschhafte Klangfülle, besonders wenn die Musik – vielleicht ein Echo Frobergers – ins tiefe Register abtaucht. Auch die Tanzsätze Couperins erblühen in Wärme, Klarheit und geschmackvoll austarierter Freiheit. Roussets differenzierter Anschlag gibt ihnen mal straff rhythmischen Charakter, mal siedelt er sie durch subtile Brechungen nahe bei der Lautenkunst an, deren Erben die Clavecinisten waren. Die entspannte Aufnahme bringt Couperins und Roussets Tastenkunst zu schönster Geltung.

Friedrich Sprondel