Rezension Mai 2019

Gebhard Ullmann Basement Research | Impromptus and Other Short Stories

Die Geschichte des „Gebhard Ullmann Basement Research“ beginnt 1993, als der Berliner Bläser auf Vermittlung von Paul Bley ein Fax des legendären italienischen Produzenten Giovanni Bonandrini bekam: „please fly to NYC get yourself a band and record your first CD for Soul Note“. Dass sie nun nach diversen Besetzungsänderungen mit dem partiell retrospektiven Album „Impromptus And Other Short Works“ endet, wird jeder bedauern, der kraftvoll-dynamische, zwischen europäischer und amerikanischer Tradition oszillierende Improvisa­tionskunst zu schätzen weiß.


Dass der inzwischen 62-Jährige mit einer Ausnahme nur auf dem Tenorsaxofon luzide Soundscapes kreiert, schadet dem anspruchsvollen Vergnügen nicht. Denn am Baritonsaxofon übernimmt Julian Argüelles die Aufgabe, neben Steve Swells Posaune die Klangpracht nach unten abzurunden. Was bereits in dem vierteltönig revitalisierten „Gospel“ von 2005 einen cool groovenden Charme versprüht. Und dann schnurren die Rhythmiker Pascal Niggenkemper und Gerald Cleaver lässig hinter den vertrackten, wild über kreuz laufenden Pustefix-Aktionen von „Twelve Tones – Impromptu #5“. Während das folgende „Impromptu #1“ dank fein inszenierter Zwiegespräche hymnisch glänzt, entfaltet das ursprünglich für Ullmanns „Clarinet Trio“ geschriebene „29 Shoes“ in nervös mäanderndem Duktus einen hypnotischen Sog.
Und dass „Kleine Figuren“ auf einem Calypso von Sonny Rollins basiert, vermag man angesichts der an alpenländische Folklore erinnernden, traumhaft zarten Präsentation kaum zu glauben. Spätestens da wird klar, dass dieses klanggewaltig aufgenommene Album reizvoll mit Kontrasten spielt.

Sven Thielmann