Tänzerisch

Der Albumtitel     verweist auf Schumanns   »Sehn ­suchts ­ ­ ­wal ­zer«-Variationen, die der Komponist über ein Walzerthema seines Kol ­le ­gen Schubert verfasste. Herbert Schuch   kombiniert diese auf seinem aktuellen   Album mit weiteren romantischen Klavierzyklen, die alle eins gemeinsam haben: Sie sind vom Tanzrhythmus des Walzers oder Ländlers geprägt. Schu ­manns   »Papillons«, seine »Intermezzi« op. 4 und der beliebte »Carnaval« finden sich darunter, aber auch Raritäten wie ein kaum bekannter Variationszyklus des Etüdenschreibers Czer ­ny   über einen Schubert´ ­schen Wiener Trauerwalzer; eine Auswahl von Schuberts Walzern und Ländlern und Webers »Aufforderung zum Tanz« als schmissiges Finalstück runden das Album ab.

Es ist beeindruckend, welche Farbpalette Schuch zur Verfügung steht. Auf harmonische Überraschungen   reagiert er mit subtilen Beleuch ­tungswechseln, und die verschiedenen Schattierungen, die sein Piano- und Pianissimo-Spiel charakterisieren, erinnern an Meister wie Krystian Zimerman oder Murray Perahia; Ähnliches lässt sich auch über seine geschmackvolle agogische Gestaltung der Walzer sagen. Wenn die Musik es fordert, dann kann Schuch auch kraftvoll zupacken. Mit majestätischer Grandezza erklingt das Eröffnungsstück im »Carnaval«, orchestral und ohne Härte. Und dass er Spaß an virtuosen Effektstücken hat, zeigt seine Interpretation von Czernys   Variationen: Schuch berauscht sich hier an seinen eigen Trillern und stürzt sich kopfüber in die Tongirlanden. Auch die Aufnahmetechnik überzeugt durch natürlichen und räumlichen Klavierklang.

Mario-Felix Vogt