Fortsetzung folgt

Wenn es Andreas Bach gelingt, in seinen geplanten Einspielungen aller Klavierwerke von Bartók das Niveau der vorliegenden zu halten, dürfte er endgültig in die erste Reihe der deutschen Pianisten gerückt sein. Hier spielt er Werke des „reifen“ Bartók ein, darunter einige seiner bekanntesten Konzertstücke aus unterschiedlichen Schaffensepochen wie die 14 Bagatellen op. 6 aus der frühen Zeit, das unverwüstliche „Allegro barbaro“, die pianistisch fulminante Klaviersonate, die fünf Stücke „Im Freien“, aber auch einige vielgespielte Sammlungen von Stücken für Kinder oder Anfänger.

Bachs Einspielungen glänzen mit reich abgestuftem Klangbild. Das „Allegro barbaro“ spielt er durchaus kraftvoll mit Drive und Stringenz, aber nie roh, mechanisch oder starr-maschinenhaft. Zudem glaubt man, in der Interpretation noch zurückgehaltene Kraftreserven zu spüren, die der Einspielung zusätzlich auch Souveränität geben. Eine besondere Herausforderung repräsentieren die 14 Bagatellen, die ihren Stil mit jedem Stück ändern. Die erste etwa ist eines der frühesten Beispiele für polytonale Musik. Bach individualisiert sie gerade so weit, dass sie noch unmittelbar mit ihren Unterschieden aufeinander bezogen werden können. Die Ostinati in der dritten löst er in Klangfärbung auf; die wuchtige Akkordfolge in der vierten wiederum verwandelt er in die klangliche Ausfaltung einer melodischen Linie. Es ist auch beeindruckend, wie ungezwungen-selbstverständlich er die im Sinne ungarischer Volksmusik verschobenen Rhythmen mit Synkopen zu gestalten vermag. Und die Musik für Kinder oder Laien interpretiert er voller Charme und Poesie. Bach beherrscht demnach das ganze Spektrum der Bartók᾽schen Klaviermusik mit intim auf den jeweiligen musikalischen Sinn abgestimmten, nachgerade unerschöpflichen pianistischen Mitteln: Das macht auf Kommendes neugierig.

Giselher Schubert