Brillant

Es ist seltsam: Bei Rossini scheint alles ähnlich zu klingen – und ist irgendwie doch ganz verschieden. Langsame Einleitung, weit ausholende Soli der Holzbläser, mörderisch schnelle Stac ­ca ­topassagen, triumphal donnernder Schluss: Das ähnelt sich in fast allen Ou ­vertüren zu seinen bekannten Opern. Allerdings ist alles so leicht geschrieben, so abwechslungsreich instrumentiert, dass dem Hörer die wiederholten Schemata kaum auffallen wollen.

Das Münchener Kammerorchester hat nun mit Alexander Liebreich acht Ouvertüren Rossinis aufgenommen, da ­runter bekannte, wie das Vorspiel zum »Barbier von Sevilla« oder zu »Wil ­helm Tell«, und weniger bekannte, wie etwa die Ouvertüre zu »Matilde di ­ ­ ­ ­Sha ­b ­ran«. Die Aufnahmen sind schlicht bril ­lant. Dass Rossinis virtuose Musik hier von einem Kammerorchester gespielt wird, lässt sie generell noch schwereloser und elastischer erscheinen, hinzu kommen die phänomenalen Fähig ­kei ­ten des Münchener Orchesters. Die Streicher agieren mit gestochen scharfer Akku ­ra ­tesse, der Bläsersatz, vornehm ­lich besetzt mit Musikern des Sympho ­nieor ­chesters des Bayerischen Rundfunks, klingt wunderbar geschmei ­dig, die virtuosen Soli gelingen atemberaubend. Dabei ist dieser Ros ­sini von Alexander Liebreich keineswegs auf schiere Vir ­tuosität angelegt, die Tempi keineswegs forciert. Hier werden keine Filetstücke präsentiert, hier wird Ros ­sini als musikalischer Dramatiker ernst genommen.

Clemens Haustein