Packend

Michael Volle gehört sicher zu den überragenden Elias-Interpreten unserer Tage. Das zeigt auch die bereits vor zehn Jahren entstandene Aufnahme unter Lei ­tung von Wolfgang Sawallisch, die erst jetzt auf CD erschienen ist. Da vereint der Bariton urwüchsige Kraft – etwa in der buchstäblich mörderischen »Hammer«-Arie – mit majestätischer Größe und anrührender Wärme. Eine packende Dar ­bie ­tung. Das kann man kaum besser singen.

Volle führt ein Ensemble mit weiteren namhaften Kollegen an, die ihm allerdings nicht ganz das Wasser reichen können. Marjana Lipovsek betört mit edlem, aber vielleicht einen Tick zu schwerem Alt, Herbert Lipperts Tenor klingt ebenfalls sehr schön, wirkt aber in der Höhe etwas eng, und die Sopranistin Andrea Rost entfaltet auf nahezu jedem Ton ein allzu fülliges Vibrato. In dieser Partie, gerade beim »Höre, Israel«, hätte eine etwas schlankere Stimme vielleicht besser gepasst.

Gibt es bei den Solisten also auf hohem Niveau noch das eine oder andere zu kritteln, so sind die beiden anderen Haupt ­rollen – Chor und Orchester nämlich – ganz hervorragend besetzt und geführt. Wolfgang Sawallisch formt mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rund ­ ­funks einen dichten und runden romantischen Klang, der aber gleichwohl immer flexibel und durchlässig bleibt. So können zahlreiche feine Differenzierun ­gen zu Tage treten: die feinen agogischen Nuancen, wenn ein Phrasenbeginn geschmackvoll verzögert eintritt, um dann gleich wieder Tempo aufzunehmen, aber auch die sorgfältigen dynamischen Ab ­stu ­fungen, die vom gesäuselten Pianissi ­mo bis ins mächtige Forte reichen. Durch die Vielzahl an gestalterischen Details bekommt dieser »Elias« eine ganz eigene Handschrift, die den großen emotionalen Reichtum der Partitur enthüllt. Stark!

Marcus Stäbler