Zwiesprache von Gestern und Heute

Ist das statthaft? Ein Instrumen ­tal ­stück wie Arvo Pärts berühmtes »Fratres« von 1977 für Stimme und Cello umzuarrangieren, nur damit es in ein CD-Konzept passt? Nun sind Arrangements über die Jahr ­hun ­derte ein legitimiertes Verfah ­ren. Und bei Pärts Musik sind An ­klänge an frühe Kir ­chen ­musiken keineswegs abwegig. Den ­noch und bei aller noblen Zu ­rückhaltung, die das Werk hier erfährt, klingt »Fratres« nicht mehr so streng und asketisch, wie es ursprünglich gedacht war, sondern auf Klang ­farbe getrimmt.

Um diese Klangfarben aber ist es dem Cellisten Jirí Bárta zu tun. Er ermöglicht einen durchaus reizvollen Dialog von Alt und Neu, stellt gregorianische Choräle neben Neue Musik, kontrastiert moderne Cellosolostücke mit mittelalterlicher Vokal ­musik. Die zeitgenössischen Stücke atmen den kontemplativen Charakter der Alten Musik, sind manchmal nicht nur von ihr beseelt, sondern in direkter Verschränkung mit ihr konzipiert.

Bárta versteht sein Instrument als komplementäre Stimme, etwa wenn er direkt in die einstimmigen Melodien eintaucht. Durch seinen Zusatz öffnen sich neue harmonische Welten. Ähnliches ist durch Jan Garbareks »Officium«-Projekt bereits vorexerziert. Daneben findet sich Peter Grahams Cellosuite, die sich direkt auf Bach bezieht. Hier kann Bárta sein dramaturgisches Talent in expressivo ausspielen. Als Kernstück der Spiegelung von Alt und Neu kann Pawel Szymanskis »Miserere« gelten. Der wunderbare Gesang der Schola Gregoriana Pragensis ist hier in einen Umraum von Vibraphon, Harfe und Cello gebettet. Zunächst mag man das Moderne gar nicht wahrnehmen, aber unwillkürlich schiebt der Komponist instrumentale Dissonan ­zen in den Gesang. Wie in einem Prisma scheinen die Klangfarben leuchtend auf.

Tilman Urbach