Prokofjews Cellokonzert hatte es schwer – es fiel bei der Uraufführung 1938 in St. Petersburg glatt durch, auch die US-Premiere mit Gregor Piatigorsky und dem Boston Symphony Orchestra unter Serge Koussevitzky sowie die Londoner Erstaufführung mit Maurice Gendron Ende 1945 waren keine Erfolge. Schließlich brachte die Begegnung mit dem jungen Rostropowitsch den unzufriedenen Komponisten dazu, das Werk umzuarbeiten, und es wurde ein neues Stück daraus, das „Sinfonische Konzert“. Es avancierte, nicht zuletzt dank Rostropowitsch, zum Welterfolg. Steven Isserlis hat sich nun das seinerzeit so wenig geliebte op. 58 vorgenommen, mit einem Feuereifer und einer Leidenschaft, die vom ersten bis zum letzten Takt mitreißt. Man hat fast das Gefühl, als wollte er dem Konzert endgültig den Stellenwert geben, den es verdient hat – als ein inspiriertes, wagemutiges und formal höchst ungewöhnliches Werk, das wegen seiner Modernität ins Visier des intoleranten sowjetischen Komponistenverbandes geriet, der dem „Formalisten“ Prokofjew bekanntlich das Leben schwer machte. Gleich zu Beginn steckt Isserlis den Ausdrucksradius ab, in dem sich seine ganze Interpretation bewegt. Hier geht ein Cellist an die Grenzen der Expressivität und der physikalischen Möglichkeiten seines Instruments. Isserlis gibt sich völlig aus, er glüht für diese Musik und spielt, als ginge es ums eigene Leben, euphorisch, exzessiv, zu jedem Risiko bereit. In diese Grenzbereiche des Espressivo, das natürlich auch die leisen und ganz sanft schattierten Töne kennt, begibt er sich auch im ersten Cellokonzert von Schostakowitsch, dem populären Gegenstück zu Prokofiews Erstling. Es ist schon faszinierend, wie Isserlis den langsamen Satz in eine gedämpft entrückte Atmosphäre taucht, der Kontrast könnte nicht effektvoller sein. Dies ist eine mitreißende Darstellung, die, wie Prokofiew, natürlich auch wieder sehr vom Spiel des transparent abgebildeten Orchesters lebt. Paavo Järvi animiert es zu Höchstleistungen.

Holger Arnold