An Aufnahmen von Igor Strawinskys Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ herrscht kein Mangel. Das Skandalwerk von 1913 ist längst zum Repertoire-Stück der Orchester mutiert. Und selbst von der vierhändigen Klavierfassung des Komponisten gibt es einige hervorragende Aufnahmen (etwa vom GrauSchumacher Piano Duo oder gerade neu vom Duo Koroliov). Dass es sich trotzdem lohnt, diese neue CD zu kaufen, liegt so einerseits an der außergewöhnlichen Klasse von Sivan Silver und Gil Garburg. Andererseits kombiniert das Klavierduo mit der zwei Jahre früher entstandenen „Petrouchka“ eine zweite Ballettmusik, die den Komponisten auf dem Weg zum „Sacre“ zeigt und in Strawinskys vierhändiger Fassung zurzeit nicht ganz so oft im Katalog vertreten ist.

Dass in Strawinskys „Sacre“ der Rhythmus über die Melodie dominiert, kann man oft lesen, nach dem Hören dieser Einspielung aber nicht ganz nachvollziehen. Denn Sivan Silver und Gil Garburg besitzen ein Händchen gerade auch für das Ausformulieren von sanglichen Linien, für das sensible Ineinander von melodischen Linien und das Miteinander von Melodien und akkordischer Begleitung. Dass der Rhythmus jedoch die treibende Kraft ist, bleibt in dieser mitreißenden Einspielung ebenfalls nicht verborgen.

Eine ungeheure Transparenz zeichnet die Interpretationen beider Werke aus. Bei aller Emotionalität bleibt bei Silver-Garburg alles durchhörbar. An Homogenität, Präzision und Differenziertheit ist ihr Spiel kaum zu übertreffen. Unterstützt wird dies von der Aufnahmetechnik, die im aufbrausenden Fortissimo nicht vor klanglichen Härten zurückschreckt, in den mystisch-lyrischen Partien (etwa zu Beginn von „Petrouchka“) gelegentlich aber fast schon ein bisschen nüchtern wirkt.

Gregor Willmes