Klug gestaltet

Etwas Gutes dazuzulernen mache Mü ­he, etwas Schlechtes dazuzulernen mache Spaß, sagte der Komiker Jacques Tati. Doch führt Letzteres in die Hölle, wie man weiß. Also machte auch Vittorio Grigolo sich offenbar Mühe und stieg peu à peu in den Tenorhimmel auf. Denn jener Sänger gleichen Namens, den ich vor mehr als einem Jahrzehnt als Narciso in Rossinis »Turco in Italia« an der Wiener Kammer ­oper hörte, hatte mit dem heute an ersten Häusern Gefeierten nicht viel zu tun: eine schmale, nasal geführte Stimme noch ohne spezielle Ausstrahlung.

»Pavarottino« nannten italienische Kri ­ti ­ker den jungen Grigolo, was eine gutmütige Veräppelung sein mochte, aber auch ein Versprechen. Denn Talent war damals durchaus spürbar, und seine Technik schien intakt. Konsequent hat der Sänger sich seither weiterentwickelt. In seinem neuen Album »Arrivederci« überrascht er, von Orchester des Theaters in Parma unter Pier Giorgio Morandi routiniert begleitet, gleich zu Beginn in »Angelo casto e bel« aus Donizettis »Duca d´Alba«, becirct mit einem zarten Mezzavoce, das er im weiteren Verlauf immer wieder einbringt, häufig auch als Gimmick. Dass ihm der Stimmraum etwa für »Amor ti vieta« aus   »Fedora« oder für den Cavara ­dossi fehlt, vermag er recht geschickt zu kaschieren.

Die Höhe klingt ziemlich offen, doch forciert er sie nicht, singt alles in allem schlank und flexibel. Irritierend allerdings die bonbon ­schachtelhafte Dramaturgie des Recitals mit Schmankerln aus italienischen Opern sowie Mozarts »Un´ aura amorosa« und Flotows »Martha« sowie der traditionellen italienischen U-Musik. Jede der Arien, jedes der Lieder spiegele eine besondere Lebenserfahrung, erklärt Grigolo im Book ­let. Wollen wir´s ihm glauben.

Gerhard Persché