Alexander Melnikov hat sich längst zu einem versierten Kenner von Flügeln des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die zweite CD des programmatisch originellen Schumann-Projekts mit je einem Solokonzert und einem Klaviertrio bei Harmonia mundi legt davon einmal mehr Zeugnis ab. Melnikov spielt das Klavierkonzert auf einem Erard von 1837 und das zweite Trio op. 80 auf einem zehn Jahre jüngeren Instrument von Streicher. Klangliche Unterschiede hier im einzelnen aufzulisten, würde zu weit führen. Tatsache ist, dass sich beide Flügel auf exzellente Weise den jeweiligen Umgebungen anpassen, hier dem Freiburger Barockorchester, das unter Pablo Heras-Casado äußerst durchsichtig und kammermusikalisch spielt, dort mit der Stradivari-Geige von Isabelle Faust und dem Cappa-Cello von Jean-Guihen Queyras. Zunächst zum Konzert: Melnikov geht jede dynamische Bewegung mit, lässt die sonst gern verborgen bleibenden Mittelstimmen klar hervortreten. Er beschwert dieses Konzert nicht mit Moll-Gewichten, macht es zu einem fragilen Gebilde, das jedoch in den Ecksätzen nichts an Schwung einbüßt. Auch der Orchesterpart wirkt nicht so klebrig, so geballt wie oft, sondern es bekommt eine sehr transparente, stellenweise intime Komponente. Heras-Casado hat die winzigen Aufs und Abs ebenso im Blick wie die großen Steigerungen. So hat man dieses Konzert vielleicht noch nie gehört, ohne dass es gewollt anders oder auf speziell getrimmt wirkt. Beim F-Dur ist es wie bereits auf der ersten Einspielung dieses Projekts: Die drei Solisten finden sich als Einheit, dringen tief in Schumanns phantasiegetränkte Gedankenwelt vor, sie geben sich springteufelig, wendig und im zweiten Satz innig, entrückt. Auch hier gilt: Es wird ungemein fein gearbeitet, nie klotzig, immer darf man die Kompositionsprozesse des Robert Schumann genau verfolgen, hautnah.

Christoph Vratz