Munter

Munter, auch ein klein wenig ernsthaft springt er, gewandet in barockes Tuch, auf dem Kiesweg eines parkähnlichen Geländes in die Höhe, reckt den Bogen rüstig in die Luft. So sehen wir Nils Mönkemeyer auf dem Cover seiner jüngsten CD, die mit »Folia« übertitelt ist und auf der Werke von Delalande, Telemann, Corelli und Bach zu hören sind. Kammermusikalisches Geleit bietet die Kammerakademie Potsdam.

Jene Munterkeit, gemischt mit Ernst, findet man auch beim Hören dieser Einspielung. Beispielsweise bei den beiden schnellen Sätzen aus Telemanns Violakonzert TWV 51:G9. Das ist blitzblank und lebhaft gespielt, aber das Ge ­fühl, dass hier alle Musiker vorn auf der Stuhlkante sitzen und das letzte Risiko suchen, hat man nicht. Mag sein, dass dies bei Telemann auch schwierig ist, doch spätestens bei Corellis »Folia«-So ­nate wünschte man sich mehr Wagnis, mehr »Verrücktheit«, folia eben. Mön ­kemeyer spielt technisch souverän, aber – auch darin mit dem Orchester eins – ohne den ultimativen Kick. Mehr Schmutz wagen, hätte die Parole lauten können, um diese Musik nicht nur liebenswürdig klingen zu lassen.

Mit Marco Hertenstein hat Mön ­ke ­meyer das d-Moll-Klavierkonzert von Bach für Bratsche eingerichtet. Wie hier, fast schon mit Beginn des Kopfsatzes, die dunklen Farben seines Instruments leuchten, wie die Ruhe des Adagio-Satzes fast ins Statische gewendet wird und so die Assoziation eines eisgefrorenen Sees entstehen lässt, das sind Mo ­mente, in denen diese Aufnahme überzeugen kann. Im Schluss-Allegro jedoch stellt sich, siehe oben, erneut der Ein ­druck von »munter, dabei ein klein wenig ernst« ein. Ein Tick zu wenig, insgesamt gesehen.

Christoph Vratz