Fabelhaft

Mit ihren Quintetten für Klavier und Bläser hatten Mozart (KV 452) und Beethoven (op.16) eine neue Gattung geschaffen: das kammermusikalische Klavierkonzert mit Bläserbegleitung. In den folgenden Epochen haben Komponisten ganz unterschiedlicher Couleur die Möglichkeiten, die sich aus der ganz speziellen Klangmischung ergaben, weitergesponnen. Beschränkten sich Mozart und Beethoven noch auf ein Bläserquartett, bestehend aus Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, war später das von Anton Reicha kreierte klassische Bläserquintett mit Flöte die Regel. Anknüpfend an die beiden Klassiker bietet das vorliegende Programm sechs weitere sehr charakteristische Beispiele: aus Frankreich das Sextett op. 40 von Louise Farrenc (1804-1875), das Quintett (ohne Horn) von André Caplet (1878-1925), das Divertissement op. 6 von Albert Roussel (1869-1937) und das Sextett von Francis Poulenc (1899-1963). Der deutschen Spätromantik verpflichtet ist der aus Bozen stammende Ludwig Thuille (1861-1907) mit seinem Sextett op. 6, während Nikolai Rimskij-Korsakow (1844-1908) mit seinem Quintett (ohne Oboe) die russische Variante beisteuert. Das fabelhafte Bläserquintett Les Vents Français (siehe dazu auch FONO FORUM 10/14) demonstriert erneut brillantes Ensemblespiel der Extraklasse, perfekt ergänzt durch den stets subtil „mitatmenden“ Pianisten Eric Le Sage. Letzterer hat sich schon früher bei zahlreichen Bläseraufnahmen als idealer Partner erwiesen. Hier ergänzen seine virtuosen Soloausflüge das vorliegende Bläservergnügen nach allen Regeln der Kunst, ohne im Gegenzug den kammermusikalischen Aspekt zu überspielen.

Holger Arnold