Fusion-Retro

Der Name der Band weckt Erinnerungen. In den 1970er Jahren gründeten der Trompeter Randy Brecker und sein Bruder Michael eine äußerst erfolgreiche Formation, die knapp und bündig ihren Familiennamen trug. Mit Alben wie »Heavy Metal Be-Bop« bescherten sie den Fans schweißtreibender Fusion-Sounds abenteuerliche musikalische Gratwanderungen. Leider lebt Michael Brecker nicht mehr. Der einflussreiche Saxophonist starb 2007. Insofern lässt sich die Reanimation der Brecker Brothers Band nur symbolisch auffassen. Unter dem ehemaligen Bandnamen trafen sich Gefolgsleute und einige Neuzugänge zu einer Studio-Produktion und live im angesagten New Yorker »Blue Note«.

Dass es dennoch bei dieser Session ziemlich heftig zur Sache ging, liegt an den unterschiedlichen Temperamenten der mitwirkenden Gitarristen: angefangen bei Dean Browns rockig-brachialen Einsätzen in »First Tune Of The Set«. Mike Stern schlägt in »The Slag« sumpfige Blues-Töne an, die wie Echos aus einem nebelverhangenen Bayou klingen, und in »The Dipshit« hat Adam Rogers seinen großen Auftritt. Der um einfallsreiche Ideen niemals verlegene Künstler reichert die gleich zum Fingerschnippen animierende Boogaloo- Nummer mit motivreichen Chorussen an. Auch Randy Brecker, der sich hier von der mitreißenden Improvisations-Strategie von Hard-Bop-Trompetern beflügeln ließ, ist solistisch voll in seinem Element.

Den Part von Michael Brecker übernahm die Saxophonistin Ada Rovatti. Sie ist die Ehefrau des Leaders und erledigt ihren Job eher unauffällig. Allerdings geriet durch ihr Engagement der Event wieder zur Familienangelegenheit.

Gerd Filtgen