Verdis erste Bühnentat

Antonio Piazza war Journalist, schrieb aber auch Opern-Libretti. Schlechte. Eines davon trug den Titel »Lord Hamilton«, später »Il Duca di Rochester«; eine gewisse Berühmtheit sollte es dadurch erlangen, dass es – nach der Verlegung der Handlung von England nach Italien und der Umarbeitung durch Temistocle Solera – als »Oberto« die Folie für die erste erhaltene Oper Giuseppe Verdis bildete. Die Story liegt irgendwo zwischen »Don Giovanni« und »Rigoletto«. Es geht, kurz, um Obertos Tochter Leonora, die von Riccardo verführt wurde. Oberto sucht Leonora zu rächen, wird jedoch von Riccardo im Duell getötet. Worauf das Mädchen ins Kloster geht. Verdis Partitur lässt das künftige Genie ahnen, wenngleich die Schatten von Bellini, Donizetti, Rossini, aber auch Mercadante noch deutlich auf das Stück fallen. Die Mailänder Uraufführung im November 1839 brachte dem Komponisten einen Achtungserfolg, obwohl der Beifall enden wollend war. Die Rezeption drängte das Werk zwar an den Rand des Repert ­oires, doch wurde es immerhin einige Male eingespielt, unter anderen von Neville Marriner (mit Samuel Ramey und Maria Guleghina, Philips 1996).

Michael Hofstetter stellte »Oberto« im Dezember 2012 konzertant vor, und die Firma Oehms schnitt den Abend mit. Hofstetter betont in seiner Partitur-Exegese mit lustvoller Energie die Ecken und Kanten des Werks, sucht den Orchesterklang dabei in bewährter Manier in die Nähe historischer Belegbarkeit zu rücken. Dies gilt wohl auch für die Sängerbesetzung, etwa mit der vor allem im Barockrepertoire versierten Francesca Lombardi Mazzulli als Leonora. Herausragend der Amerikaner Norman Reinhardt in der Tenorpartie des Riccardo.

Gerhard Persché