Emphatische Sounds

Gibt es eine Poesie der Einsamkeit? Eine Frage, die der russische Film ­schaf ­fende Andrei Tarkovsky in jeder seiner Arbeiten nachvollzog. Einzelne Se ­quen ­zen aus Film-Klassikern wie »Solaris« und »Stalker« untermalen mit ihren zwi ­schen Realität und Science-Fiction changierenden Bildern Handlungs ­strän ­ge, in denen sich die Protago ­nis ­ten auf ihrer Sinnsuche metaphysischen Innenwelten annähern. Der Betrachter kann sich unmöglich der elementaren Kraft des Geschehens entziehen.

Auch der Pianist François Coutou ­rier ist im positiven Sinn von Tarkovskys Werk besessen. Nach den vorangegangenen Aufnahmen »Nostalghia – Song For Tarkovsky« und einem Solo-Al ­bum »Un jour si blanc« führt er jetzt mit einer »Tarkovsky Quartet« benannten Gruppe seine visionäre Mu ­sik weiter. Durch die langjährige Zusam ­men ­ar ­beit mit der Cellistin Anja Lechner, dem Sopransa ­xo ­phonisten Jean-Marc Larché und dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier verfügt die Formation über ein außergewöhn ­lich abgestuftes musikalisches Spektrum. Das wird speziell in Stücken wie »Sardor« und »San Galgano« deutlich, in denen sich das Quartett in facettenreichen Kollektiv ­improvisationen austauscht. Zu der hymnischen   Komposition »A celui qui a vu l´ange« ließ sich Coutourier von der   In ­schrift auf Tarkovskys Grab inspirieren, und »Tiapa« war ein Spitzname des jüngs ­ten Sohns des Verstorbenen.

Die damit verbundenen Melodien werden von dem Ensemble zu nuancenreichen Beiträgen verwendet. Von einem präsenten rhythmischen Puls unterlegt, führen diese in unberührte Re ­gio ­nen improvisierter Musik und könnten   zeitgemäße Soundtracks für Andrei Tarkovskys Filmwerk sein.

Gerd Filtgen