Romantik pur

Schon vor Jahren haben Leif Ove Andsnes und Christian Tetzlaff mit ihren Aufnahmen der Bartók-Sonaten und anderer Klavier-Violin-Werke des 20. Jahrhunderts gezeigt, dass sie ein ausgezeichnet »funktionierendes« Duo zweier Gleichberechtigter sind – bekanntlich keine Selbstverständlichkeit. Jetzt bestätigt ihre erste gemeinsame Romantiker-Einspielung, eine Gesamtaufnahme der Klaviertrios von Schumann, die früheren Eindrücke und zeigt neben hohem spielerischen Niveau ein Musizieren »aus einem Geist«; Tanja, die Jüngste in der Riege der vier musizierenden Tetzlaff-Geschwister, fügt sich als Dritte im Bunde nahtlos ins Spiel ein.

Gleich der Anfang des d-Moll-Trios lässt in seinem fließenden, klangvollen Aufwogen Großes erwarten. Es trifft den Stil der Musik wie selbstverständlich und macht sofort auch deutlich, dass es den dreien ganz vorrangig um eine sachdienliche Verdeutlichung von Schumanns Partituren ohne alles »Aufbereiten« ging. Charakte ­ris ­tisch auch, dass sie gerade für gestalterisch heikle Partien überzeugende Lösungen gefunden haben – ich denke etwa an den oft nur brüchig gelingenden »Szenenwechsel« in der Durchführung des ­ers ­ten Satzes im d-Moll-Trio oder an den Lento-Satz aus demselben Opus, dessen Melodie man wohl kaum überzeugender, verständlicher vortragen kann.

Am Ende, nach den drei Trios und zwei »Drumherums«, bleibt dann allerdings doch ein kleiner Wunschrest übrig. Einmal wirkt die Geige oft reichlich zurückgenommen und/oder introvertiert, zum anderen hätte dem romantisch weichen, abgerundeten Klang manchmal etwas mehr Zeichnung gutgetan. Ingesamt trotzdem erstklassig.

Ingo Harden