Die hier als Hornkonzerte Nr. 1 und 2 aufgeführten Hornkonzerte Joseph Haydns führt Anthony van Hoboken in seinem Werkverzeichnis als Nr. 3 und 4 (Hob. VIId:3/VIId:4), da zwei vorherige Konzerte (eines für zwei Hörner) nachweislich verloren gingen. Beim Concertino seines jüngeren Bruders Michael handelt es sich vermutlich um drei Sätze einer umfangreichen Serenade, in der ein Virtuose der Salzburger Hofmusik sein Können unter Beweis stellen konnte. Fragezeichen auch bezüglich eines „neuen“ zweisätzigen Hornkonzerts von Mozart, der neben seinen bekannten vier Konzerten zahlreiche Fragmente einzelner Sätze für Horn und Orchester hinterließ. Für das häufig zu hörende Rondo KV 371 wurde hier ein als Fragment überlieferter Entwurf (KV 370b) rekonstruiert und als Eröffnungssatz vorangestellt. Wie dem auch sei, akustisch setzen alle Beteiligten keine Frage- sondern deutliche Ausrufezeichen. Mit dieser zweiten CD bestätigt der junge Hornist Felix Klieser sein außergewöhnliches Können. Besonders in den beiden Konzerten Joseph Haydns mit ihren unterschiedlichen Anforderungen (Nr. 1 im hohen und Nr. 2 im tiefen Register) brilliert er mit seiner locker-flexiblen und schlanken Tongebung stets souverän. Angesichts des heiteren Grundtons aller Stücke ist es ungewöhnlich, mit welchem musikalischen Ernst Klieser sie umsetzt. Dank seiner technischen Perfektion und dem vorzüglichen Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter seinem Chefdirigenten Ruben Gazarian sei dieses attraktive und interessante Hornprogramm jedoch nachdrücklich empfohlen.

Holger Arnold