Pauschal und lax

Mit den drei CDs dieses »Volume 3« findet das Projekt »LVB FFG ZZT« – sprich: ZigZag Territoires´ Beethoven-Gesamtaufnahme der 32 Klaviersonaten mit François-Frédéric Guy – sein Ende. Man könne sagen, meinte der frankokanadische Musikkritiker Christophe Huss zu einem der früheren Bände, dass Guys Interpretationen Musik »degermanisiere«: eine originelle Umschreibung der Tatsache, dass der 44-jährige Franzose pathetisch-strenge Unbedingtheit und die »typisch beethovensche« Schroffheit meidet zu Gunsten biegsamerer und weicherer Diktion, dass ihm harmonisches Fließen wichtiger ist als klangliche Umrissschärfe.

Ein durchaus vertretbarer Ansatz, und was Großzügigkeit des Spiels und emotionales Engagement angeht, enttäuscht Guy ebenso wenig wie professionell-handwerklich – die berühmte große Fuge der Hammerklaviersonate ist ihm überzeugend gelungen. Wenn die Aufnahme hier dennoch sparsam mit Sternen bedacht ist, so aus zwei Gründen: Zum einen zeigt jeder direkte Vergleich schnell, dass Guy längst nicht so genau »liest« wie etwa Schiff oder Oppitz, Lewis, Korstick oder Brautigam (um nur die jüngste CD-Konkurrenz zu nennen) und über viele Dynamik- oder Phrasierungsangaben glatt hinwegspielt. Vor allem aber ist er rhythmisch insgesamt wankelmütiger und weniger präzise, als dieser Musik guttut. Und seine Neigung, vor allem in den langsamen Sätzen Töne permanent vor- oder nachklappern zu lassen, mag im Konzertsaal vielleicht noch angehen, wirkt aber beim Abhören zu Hause zunehmend störend. Denn, um es mit dem Wort Alain Robbe-Grillets zu sagen, das Gregor-Dellin als Motto seiner Wagner-Biographie wählte: »Im Endeffekt ist nichts fantastischer als die Genauigkeit.«

Ingo Harden