Händel at his best

Auf der Britischen Insel hat sich in den letzten Jahren mehr oder weniger unbemerkt von der Festlandsöffentlichkeit die Early Opera Company unter ihrem Gründer und Leiter Christian Curnyn in die vorderste Reihe der Originalklang orchester gespielt. Bei Chandos liegen schon etliche Aufnahmen von Händel und Eccles vor, die neuste ist Händels Oper „Flavio«, 1723 entstanden in der Blütezeit der italienischen Oper in London. Bei der Uraufführung wirkten Gesangsstars wie der Kastrat Senesino und Francesca Cuzzoni mit. Für sie schrieb Händel die kapriziöse Arie „Quanti dolci«, ein damals populäres Stück, das auch hier den charmanten Auftritt der immer noch unvergleichlich charaktervoll singenden Rosemary Joshua bildet.

Sofort folgt der Auftritt Senesinos mit „Bel contento« und wunderbaren Kantilenen, die von dem Countertenor Iestyn Davies mit gekonnter Messa di voce und zugleich instrumentaler Eleganz vorgetragen werden. Oder ist seine zweite Arie „L´armellin vita nun cura« vielleicht noch schöner? Lotario ist der vernachlässigte Ratgeber von König Flavio, der darauf eine gezackte Rachearie singt, die der Bassist Andrew Foster-Williams mit erstaunlicher Beweg lich keit und fokussiertem Klangstrom in allen Lagen vorträgt, während sich der Kö nig seine Zuneigung zu Teodata heimlich eingesteht, der Tochter des anderen Rat gebers, den er protegiert.

Das ist Ugone, der aber ebenfalls Grund zur Klage hat, als er das Tête-à-Tête seiner Tochter mit dem König beobachtet, den der Tenor Thomas Walker mit fast veristischem Ausdruck gibt, begleitet von einem präzis hämmernden Orchester. So geht es weiter durch die Oper, eine Arienperle reiht sich an die andere. Eine Mustersammlung der barocken Arientypen, Händel at his best!

Richard Lorber