Stets elegant

Hätte das menschliche Ohr einen G-Punkt, die Stimme von Diana Damrau wäre besser als jeder Vibrator. Wann je hat man Gildas Arie so sinnlich und intensiv als Ton gewordene Lustseufzer eines unschuldigen Mädchens gehört? Rigoletto, der sich das froschgrüne Nar ren kostüm über den Bu si nessanzug zog und das falsche Clownslächeln ins graue Gesicht schminkte, er will hier seine verleugnete Tochter der Welt entziehen. Die fatal vereinnahmende Liebe des nicht nur körperlich verkrüppelten Vaters singt Zeljko Lucic fast noch schöner, abgründiger, verzweifelter, als er sie spielt. Erst an dritter Stelle kommt hier ein weltberühmter Fast-Debütant. Bei seiner ersten deutschen Premiere agiert der global umschwärmte Juan Diego Flórez hör- und sichtbar auf fremdem Terrain. Der zynische Herrenmensch-Macho, das ist Pose, eher ist er das liebesunfähige, aber mutwillige Königskind. Die schlagerähnlichen Duca-Arien serviert Flórez mit seiner porzellanhaft schimmernden Tenore-di-grazia-Stimme.

Doch jene rattenfän gerisch gewissenlose Verführungskraft dieses schwarzen Engels scheint dem oft so zaghaften Peruaner verschlossen. Aus den gut besetzten Nebenrollen funkelt düster der Edelbass Georg Zeppenfelds als mörderischer Sparafucile hervor. Düsteres Mittelmaß ver breitet hingegen der zu leichtgewichtige Ex-Generalmusikdirektor Fabio Luisi.

Dabei ist dieser „Rigoletto« auch szenisch ergiebig. Der stets elegante Nikolaus Lehnhoff ist kein Bilderstürmer, und er breitet diese klaustrophobischen, freilich von Raimund Bauer klar geschiedenen Verdi-Bühnen welten überdeutlich aus. Hier die faschistoid schwarz marmorierte Orgiengruft des Herzogs, durch die maskierte Max-Ernst-Partylemuren gleiten, da Gildas Kemenatenkerker. Lehnhoff lässt den Protagonisten Arienraum und nachts die Chorteufel tanzen.

Manuel Brug