Es war einmal ...

»David Garrett 14« ist die CD mit überraschend aufgetauchten Jugendaufnahmen des heute vor allem in der Popszene erfolgreichen Geigers betitelt, offensichtlich und wohl auch ganz bewusst eine Anspielung auf das Alter des 1980 in Aachen geborenen Musikers. Schon immer wurde bei geigenden »Wunderkindern« mit dem Alter kokettiert. Dass man dabei manch zartbesaitetes »Wunderkind« gar nicht altersgemäß behandelte, wurde einfach ignoriert. Doch ohne Geschichten und Vorurteile bemühen zu wollen: Was der 14-jährige David Garrett als Geiger und, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, bereits als Musiker zu bieten hat, ist überaus erstaunlich. Was man hier hört, ist weit mehr als eine Talentprobe, es ist gestaltendes Musizieren auf einem geigerisch sehr hohen Niveau. Locker nimmt Garrett die heiklen technischen Hürden in Paganinis »La campanella«, Tartinis »Teufelstrillersonate« oder Wieniawskis »Fantaisie brillante«. Und er weiß etwas mit Kreislers »Liebesleid« anzufangen, obwohl er vielleicht noch gar keinen Liebeskummer gehabt hatte. Die auf dieser abwechslungsreich zusammengestellten CD versammelten Piècen fragen nicht nur manuelle Fähigkeiten ab, sondern auch Musikalität und Sensibilität. Und man mag kaum glauben, es hier mit derselben Person zu tun zu haben, die einmal eine kreischende Elektrogeige bedienen würde. Welten liegen zwischen dem empfindsamen Spiel des 14-Jährigen und dem elektronisch oft geradezu ruinierten Spiel des heutigen, Stadien füllenden »Superstars«. Seine Bemühungen, gleichzeitig wieder in der Klassikszene Fuß zu fassen, wirken nicht wirklich überzeugend. Klassik geht eben nicht halbtags. Wie zartfühlend der junge Garrett damals Schuberts berühmtes »Ave Maria« anstimmte, ist bewegend, da wird man hellhörig. Und begreift kaum, wie der David Garrett von heute Versatzstücke aus klassischen Meisterwerken auf Popsong-Format zurechtschneidert und mit Überlautstärke in die Runde dröhnt. Schade eigentlich ...

Norbert Hornig