Gemischt

»Seine unglaubliche Gewandtheit in weltlichen Dingen verdankt er eigentlich seinen geistlichen Kompositionen«, schrieb Johannes Brahms in einem Nachruf auf Franz von Suppé. Eine etwas überraschende, aber durchaus schlüssige Beobachtung – denn bevor der Österreicher mit über 200 Bühnenwerken die Herzen des Wiener Publikums eroberte, sang er selber im Kirchenchor und schrieb einige sakrale Kompositionen.

Das 1877 entstandene Requiem ist also kein gar so exotischer Ausreißer, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Suppé profitiert hier von seinem kirchenmusikalischen Background und bereichert den geistlichen Stil dabei mit dramatischer Farbpracht und operntauglichen Melodien. Im Dies Irae zucken die Akzente der Bläser blitzartig aus dem dunklen Streichergebrummel hervor; die Streicherkantilene im Agnus Dei wirkt fast wie ein Probelauf zu Verdis Gefangenenchor.

Vieles klingt süffiger, mediterraner, als wir Mitteleuropäer uns die ernste geistliche Musik gerne vorstellen – aber gerade das macht den besonderen Reiz dieses Requiems aus.

Der umfangreiche Chorpart ist sehr effektvoll und auch für sehr gute Laienensembles machbar. In der Live-Aufnahme des Bayerischen Rundfunks gefällt der Philharmonische Chor München unter Leitung von Gerd Schaller vor allem durch seinen voluminösen Klang und ein sehr breites dynamisches Spektrum. Gerade in den Forte-Passagen scheren die Sänger allerdings immer mal aus der geschlossenen Homogenität und ihrer stabilen Intonation aus. Dasselbe gilt für die Blechbläser der Philharmonie Festiva, die in der zweiten Hälfte dem hohen Anspruch des Stücks Tribut zollen müssen. Auch das Niveau der Solisten schwankt zwischen sehr beseelten und weniger überzeugenden Momenten und passt zum gemischten Gesamteindruck der Produktion.

Marcus Stäbler