Galant und pastoral

Viel wissen wir nicht über Thomas-Louis Bourgeois. Der 1676 in Hennegau geborene Komponist und Sänger starb im Januar 1750 in Paris. Dazwischen lag ein Leben, das geprägt war von einer abenteuerlustigen Persönlichkeit, aber auch von den Stationen eines typischen Musiker ­wer ­degangs der Zeit, unter anderem war Bourgeois Direktor des Théâtre de la Monnaie in Brüssel. Im Carus-Verlag ist nun eine CD erschienen, die ganz dem Kantatenschaffen des Komponisten gewidmet ist, genauer gesagt fünf Werken aus den ersten beiden Sammlungen der »Cantates françoises« – allesamt Welt ­erst ­einspielungen.

Die französischen Kantaten von Tho ­mas-Louis Bourgeois sind kleine Ge ­schichtchen, deren Handlung oft aus der griechischen Mythologie entlehnt ist. Eingerahmt von Rezitativen finden sich ariose Einlagen, deren Dauer meist auf zwei bis drei Minuten begrenzt ist und deren Stil sich zwischen galant und pastoral bewegt. Beispiel für Letzteres ist vor allem die Kantate »Zéphire et Flore«, mitsamt einem an Vivaldi gemahnenden tonmalerischen Gewitter und Vogelge ­zwitscher im erweiterten Flötensatz als zauberischem Klangeffekt.

In kammermusikalischer Besetzung, meist bestehend aus Streichern, Theorbe, Cembalo, manchmal erweitert durch Flö ­ten und Gitarre, nimmt sich Le Concert Lorrain der Musik an, das ist intimes, lebendiges Musizieren auf hohem Niveau. Zudem erweist sich Carolyn Sampson als eloquente Gestalterin des Sopranparts, auch wenn man sich manchmal mehr Farben in der Stimme wünscht. Eine Ein ­schränkung gilt eher der Musik, deren galanter Stil immer ein wenig nach Pe ­rü ­cken ­puder klingt – trotz des engagierten Einsatzes der Musiker.

Björn Woll