Klangvoll und konzentriert

Überraschungen? Fehlanzeige: Der dritte Band der allmählich heranwachsenden Debussy-Gesamtaufnahme Michael Korsticks, zu der sich SWR und Hänssler Classic als Koproduzenten zusammengetan haben, folgt in der Machart ganz und gar dem Modell der beiden Vorgänger. Wieder steht einer der bekannten Zyklen des „Musicien français“ im Mittelpunkt und wird durch eine Reihe seiner mehr oder weniger bekannten Nebenwerke ergänzt. Den Kern des Programms bilden diesmal alle drei Hefte der „Images“ von Debussy, nämlich die bekannten beiden Sammelbände und die drei „vergessenen“ frühen, aber erst in den 70er-Jahren veröffentlichten Stücke. Als Einrahmung dienen unter anderem die Klavierfassung des Préludes der frühen Kantate „La damoiselle élue“, die zweihändige Fassung der ursprünglich vierhändigen „Sechs antiken Inschriften“, das witzig-knappe „Morceau de concours“, 1905 für den Komponisten-Ratewettbewerb einer Pariser Musikzeitschrift entstanden, und der relativ bekannte, „mehr als langsame“ Walzer von 1910.
Auch die Interpretationen Korsticks halten das hohe Niveau, das man von ihm seit Langem als selbstverständlich erwartet. Er spielt mit einer schnörkellos zur Sache kommenden Präzision und Perfektion, an der es nichts zu kritisieren gibt. Und wenngleich man sich durchaus Alternativen zu seiner Auffassung – zum Beispiel einen insgesamt zeichnerischeren und „naturhaft“ gelassener klingenden Debussy –
vorstellen kann, so wirken seine ebenso klangsatten wie schlanken und konzentrierten Darstellungen doch, für sich genommen, überzeugend und unangreifbar.

Ingo Harden