Unterhaltsame Intrigen

Mit der „Incoronazione di Dario“ brachte Vivaldi 1717 sein etwas ins Schlingern geratenes Opernhaus wieder auf Erfolgskurs. Das Werk zeichnet sich durch eine gute Balance von bewährten Elementen der Opera seria und neuen Impulsen aus. Es ist in Stil und Anlage angenehm innovativ, ohne modisch zu sein. Die Besonderheit der Handlung ist, dass die Königstochter nicht dem siegreichen Helden als Belohnung in Aussicht gestellt wird, sondern dass umgekehrt derjenige, dem es gelingt, das Herz der Königstochter zu erobern, der neue Herrscher sein soll. Es versteht sich von selbst, dass dies eine gute Konstellation für unterhaltsame Intrigen ist.

Unter den italienischen Barockmusikern unserer Zeit nimmt Ottavio Dantone fast schon eine Sonderstellung ein, weil er im Gegensatz zu den meisten seiner Landsleute die Auffrischung Alter Musik nicht einseitig übertreibt, sondern lebhafte Tempi und kontrastfreudige Artikulation mit organischen Bögen, durchstrukturiertem Klang und emotionaler Tiefe verbindet. So horcht man in diesen drei Stunden immer wieder auf, ohne verstört zu sein. Dies liegt zweifellos auch an dem interessanten Werk, vor allem aber an den exzellenten Solisten, die allesamt sehr schöne Stimmen haben und technisch ebenso versiert agieren wie stilistisch; hervorzuheben wären der schwedische Tenor Anders Dahlin (Dario) mit seinem hellen, geschmeidigen Timbre und die immer wieder faszinierende Altistin Sara Mingardo (Statira). Die Accademia Bizantina behält, obwohl sie oft an der vorderen Stuhlkante sitzt, immer ihre innere Stabilität und weiß ihre Gestaltungsmittel punktgenau einzusetzen.

Matthias Hengelbrock