Bei Sängern, welche neu die Szene betreten, wägt man in der Regel vorsichtig ab. Gut, weniger gut … Anders bei Mauro Peter, dem aus Luzern stammenden Tenor des Jahrgangs 1987. Sein Gesang macht nicht nur staunen, er überrumpelt förmlich. Eine derart natürliche vokale Eloquenz bei exzellenter Diktion (ohne „Konsonantenspuckerei“) erlebt man derzeit vielleicht nur noch bei Daniel Behle. Was das Hörerlebnis bei Mauro Peter um noch einige Grade euphorisierender macht, ist ein Timbre von ganz besonderer Art. Er habe „Sonne in der Stimme“, hieß es einmal über den Sänger. In seiner ersten Studioaufnahme (Schubert/Goethe) weist er das besonders nachdrücklich beim „Musensohn“ nach.

Neben Mozart (u. a. Harnoncourt-Aufführungen in Wien) steht Schubert derzeit im Zentrum von Mauro Peters Aktivitäten: Wigmore Hall (Mitschnitt „Schöne Müllerin“ 2014), Schwarzenberg und Hohenems, jetzt das Recital mit Helmut Deutsch, dessen Gesangsklasse er einst besuchte. Dessen brillantes, sensibles, minutiös differenzierendes Klavierspiel und Peters frische, jugendlich drängende Vortragsweise führen – man darf es so beglückt sagen – auf den Gipfel des Schubert-Gesangs.

Bei aller „Sonne“ verharrt Mauro Peter aber nicht lediglich in der Position eines tenoralen Strahlemanns (blendende Höhe). Bei den „Harfner-Gesängen“ mag das Depressive von einem Bariton vielleicht noch dringlicher umgesetzt werden (der Sänger weiß um solche Detailwirkungen). Aber nicht nur bei „da lässt sie mich allein“ erreicht er auf seine Weise eine beklemmende Schmerzgebärde. Ein großer Radius an Zwischentönen findet sich auch sonst, etwa bei „König in Thule“ oder „Erlkönig“. Hier schleudert Mauro Peter das Wort „Gewalt“ mit besonderer Expressivität heraus.

In Zürich gab der Sänger jüngst den Andres neben dem Wozzeck Christian Gerhahers, einem anderen Liedinterpreten der besonderen Art.

Christoph Zimmermann