An den Marmortischen des Wiener Café Central brodelte Ironie, vor allem dank des Sprachstellers Alfred Polgar. „Mancher hat Opern und Sinfonien geschrieben und lebt doch nur weiter in einer Fußnote“, stichelte er beispielsweise. Er könnte dabei an Zdeněk Fibich (1850-1900) gedacht haben. Denn im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit ist der böhmische Komponist allenfalls als Schöpfer des „Poème“ op. 41 präsent, während seine Opern und Sinfonien zumindest außerhalb Tschechiens wenig bekannt sind. Das gilt auch für „Nevěsta messinská“ (1884) nach Schillers „Braut von Messina“, deren weibliche Hauptpartie, die fürstliche Witwe Isabella, er seiner zweiten Frau Betty Hanušová in die Gurgel schrieb. 2015 nun brachte das Theater Magdeburg den von Insidern stets gerühmten Dreiakter als deutsche Erstaufführung heraus. Und das Werk erweist sich in der Tat als Trouvaille, bietet dem Ohr farben- und facettenreiche, auch mit Wagners Elixieren übergossene Musik, die ein Etablieren im erweiterten Repertoire als durchaus gerechtfertigt erscheinen ließe. Die Handlung ist schmerzensreich, doch konziser als in Schillers Drama; es geht um das Erbe des verstorbenen Fürsten von Messina, um eine unheilvolle Prophezeiung, um feindliche Brüder und eine vor ihnen verheimlichte Schwester, in die beide sich verlieben – mit bitterem, weil tödlichem Ende.

Die Magdeburger Sängerriege leistet alles in allem Bemerkenswertes – besonders Lucia Cervoni als leidenschaftlich um Familienzusammenführung bemühte Witwe und Mutter tut sich mit ausdruckstarkem Mezzo hervor. Auch Thomas Florio (Bariton) und Richard Samek (Tenor) als entzweites Brüderpaar sowie Noa Danon (Sopran) als unerkannte Schwester können sich profilieren, und Kimbo Ishii erweist dem Komponisten am Pult der Magdeburger Philharmonie wichtige Dienste für eine mögliche Fibich-Renaissance. 

Gerhard Persché