Barock-Schmankerln

Live erlebte ich Danielle de Niese zuletzt im Theater an der Wien als Händels Rodelinda. Stets umgibt die Amerikanerin aus Australien ein bisschen von Hollywoods Glamour; dennoch zeichnete sie in dieser Rolle ein menschlich bewegendes Bild und bezauberte durch ihren Charme.

Dies mag auch für ihr neues, dem Barock gewidmeten Recital gelten, mit dem sie den doch schwächeren Eindruck ihres früheren Händel-Albums durchaus zu revidieren vermag. Sie serviert »Schman ­kerln« von Bach, Händel, Monteverdi, Pergolesi, Purcell und wirkt dabei, kundig begleitet von Harry Bicket und The English Concert, viel überzeugender als damals. Dabei gewinnt sie den Hörer durch Schönheit des Timbres, Feinfühligkeit und Souveränität in den Koloraturen. Etwa in »Le the bright Seraphim« aus Händels »Samson«, wo sie zwar die übliche Kadenz am Schluss weglässt, doch in den überzeugend absolvierten Embel ­lishments davor das Verzie ­rungs ­potential überzeugend ausschöpft.

In der doch ziemlich breiten Palette von Ex ­pressionsschattierungen, die sie in diesem Al ­bum bietet, besticht sie sowohl durch Virtuosität als auch durch zarte innige Innigkeit wie in Di ­dos Lamento »When I am laid in earth«. In Sze ­nen aus »Rodelinda«, Monteverdis »L´incoro ­na ­zione di Poppea« sowie Pergolesis »Stabat mater« tritt Andreas Scholl an ihre Seite, meinem Eindruck nach nicht mehr mit dem Glanz früherer Tage.

Gerhard Persché