Mit Grandezza

Der Primadonnen-Wettstreit zwischen Renata Tebaldi und Maria Callas, der seinerzeit von den Anhängern der beiden Sängerinnen angeheizt und von der Presse ausgeschlachtet wurde, erweist sich im historischen Rückblick als ziemlich unsinnig, denn sie waren in sehr unterschiedlichem Repertoire erfolgreich und nur in einer Partie tatsäch ­lich Antipodinnen:   in Puccinis Tosca fanden beide einen Grundzug ihrer künstlerischen Identität.

Bereits in ihrem ersten Recital von 1949 hatte die Tebaldi, damals noch durch und durch lyrisch, »Vissì d´arte« aufgenommen, zwei Jahre später kam eine monaurale Gesamtaufnahme bei Decca heraus, die 1959 bei derselben Fir ­ma durch eine Stereo-Version ersetzt wurde. Das Bühnendebüt in dieser Partie erfolgte 1953 an der Mai ­län ­der Scala unter Victor de Sabata. Schon da war klar, dass die Sängerin hier »ihre« Rolle gefunden hatte. Tos ­ca wurde ihr Aushängeschild bei allen internationalen Gast ­spie ­len, ob in Lon ­don, New York oder Stuttgart.

Das triumphale Debüt an der Covent Garden Ope ­ ­ra (1955) wurde jetzt erneut auf CD aufgelegt und zeigt die Sän ­gerin auf der Höhe ihrer stimmlichen und künstlerischen Mög ­lich ­keiten. Sie hatte sich nun zu einem echten Lirico-spinto-Sopran entwickelt.   Im Vergleich zu der feurigen und leidenschaftlichen Inter ­pre ­ta ­tion der Callas wirkt die Tebaldi statuarischer, überzeugt vor allem durch vokale Grandezza, durch ausladenden Klang in der Mittellage und eine wenn auch kurze, so doch damals noch sehr leuchtkräftige Höhe.

Von dem bevorzugten Callas-Partner Tito Gobbi, der wie stets einen facettenreichen Scarpia gibt, lässt sie sich im 2. Akt auch dramatisch aus der Reserve locken. Ihr Tenorpartner Ferruc ­cio Tagliavini, für den Ca ­varadossi eine Grenz ­partie war und der nur in zärtlichen Pas ­sa ­gen wirklich punkten kann, hat es oft schwer, gegen ihre stimmliche Opulenz anzukommen. Das Dirigat von Fran ­ces ­co Mo ­linari-Pradelli ist im posiviten Sin ­ne von Know-how routiniert. Klang ­tech ­nisch lässt dieses Do ­kument indes Wünsche offen. Die Stim ­men kommen zwar sehr plastisch heraus, das Or ­ches ­ter aber nur verschwommen.

Ekkehard Pluta