Expressive Hommagen

Eine „Aschenmusik“ hat Heinz Holliger seine „Romancendres“ (2003) genannt, und das ist in diesem Fall tatsächlich wörtlich zu nehmen. Denn die Initialzündung zu diesem Bündel hochexpressiver Stücke für Violoncello und Klavier hat Clara Schumann höchstpersönlich zu Asche verwandelt und nach dem Verbrennen in des Gatten Grab geworfen. Schumanns 1853 komponierte „Fünf Romanzen“ blieben somit Stoff für Spekulationen – und für inspirierte Anknüpfungen, wie es die „Romancendres“ sind. Holliger hat dort nicht nur ein biographisches Netzwerk geknüpft, wo Lebensdaten, Initialen und Zitate subtil in die eigene Klangrede verwoben wurden, vielmehr findet die ganze Abgründigkeit und Janusköpfigkeit der Schumann’schen Ästhetik hier zeitgemäße kammermusikalische Entsprechungen. Besonders intensiv in den minimalistisch-vergrübelten „Kondukten“, die Dialoge einrahmen, die sich zwischen nächtlicher Gefühlswelt, melodischen Ausbruchsversuchen und verhuschter Rastlosigkeit bewegen. Eine Klangpoesie mit feinen Geräuschfarben im Klavierinnern, an der Schumann seine helle Freude gehabt hätte und die noch ein wenig zwingender aufgezogen wird als in der ebenfalls hervorragenden Aufnahme von Christoph Richter und Dénes Várjon (ECM 2009).

Auch in der ausdruckssatten „Partita“ für Klavier (1999) ist der Geist Schumanns am Werk, András Schiff gewidmet. Dramatische Präludien, vielstimmige Fugen, wilde Tänze und sphynxhafte Geräuschsätze geben sich hier die Ehre und im raumgreifenden Finalsatz Bach, Busoni und Berg die Klinke in die Hand. Schumann, der Rezensent, hätte für all das sicher glühende Worte gefunden …

Ingo Harden