Superbes Debüt

Dass Julian Prégardien einen großen Namen trägt, ist offenbar kein Problem: Immer wieder tritt er mit seinem Vater Christoph auf. Dessen Liedklasse an der Kölner Musikhochschule betreut u. a. Christoph Schnackertz. Dass Julian Prégardien diesen über einen wunderbar filigranen Anschlag verfügenden Pianisten als Begleiter für sich gewinnen konnte, muss als Glücksfall gelten. Ihre Lied-CD (Debüt des Sängers) lebt nicht wenig von dessen sensiblem Accompagnement.

Prégardien hat sein Programm mit „Herzblut“ zusammengestellt. Schon die Beethoven-Klammer („An die ferne Geliebte“, „Resignation“) lässt den klugen dramaturgischen Aufbau erkennen. Einer persönlichen Auswahl von Mörike-Liedern Hugo Wolfs gehen die „Mädchenblumen“ von Richard Strauss voran. Bei diesem Zyklus sind bezüglich einer noch nicht gänzlich gefestigten Extrem-Höhe die einzigen Vorbehalte anzubringen. Ansonsten wirkt Julian Prégardiens fein gesponnener Belcanto-Stil umwerfend, ja narkotisch. Beim verwehenden Ende von Wolfs „Lied vom Winde“ imaginieren die beiden Künstler ein sublimes Waldweben, einen geradezu magischen „Lichtgesang“ (Wolfs „An die Geliebte“).

Eine veritable Werkentdeckung sind Webers „Die vier Temperamente beim Verlassen der Geliebten“, humorige bis sarkastische Beschreibungen männlicher Verhaltensweisen. Die rhetorische Variabilität des Sängers lässt vermuten, dass er auch ein überzeugender Bühnendarsteller ist.

Christoph Zimmermann