Zu Beginn der Saison 2015/16 wurde der junge polnische Dirigent Krzysztof Urbanski zum Ersten Gastdirigenten des NDR Elbphilharmonie Orchesters ernannt. Mit diesem Klangkörper hat er für das Label Alpha bereits eine hochgelobte CD mit Werken seines Landsmanns Witold Lutoslawski eingespielt. Nun folgt Standardrepertoire – und zwar das Werk, das Urbanski nach eigener Aussage in seinem ersten Konzert mit einem professionellen Orchester dirigierte: Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“.

Um einen frischen Blick auf die Partitur zu bekommen, hat sich Urbanski mit dem Originalmanuskript des Werks beschäftigt – allerdings mit wenig hörbaren Unterschieden zur sonst eingespielten Fassung, wenn man von der Tatsache absieht, dass die ersten vier Takte des Scherzos in der Wiederholung nicht rekapituliert werden. Nach Urbanskis Aussage ist es vor allem die „Simplizität“ der Partitur, die den Unterschied zu den anderen Sinfonien Dvořáks ausmacht.

Vielleicht ist es dieser Erkenntnis geschuldet, dass der Dirigent eine ausgesprochen schmucklose, in Teilen auch nüchterne Interpretation des vielgespielten Werks präsentiert. Tempomodifikationen innerhalb einzelner Satzteile gibt es kaum. Das geht einerseits in Ordnung, da Urbanski auf allzu „persönliche“ gestalterische Beigaben verzichtet. Andererseits hätte man sich an einigen Stellen – etwa im zweiten Thema des Kopfsatzes oder im Trio des Scherzos – durchaus ein wenig Rubato-Kultur gewünscht.

So wie die Dinge liegen, wirkt Urbanskis Zugang zur „Neuen Welt“ – nicht zuletzt aufgrund meist recht rascher Tempi – eher ungeduldig als liebevoll, mit rühmlicher Ausnahme des zweiten Satzes. Allerdings vermag die Einspielung mit einer selten gespielten Zugabe zu punkten: dem „Heldenlied“, der letzten Sinfonischen Dichtung Dvořáks. Die Orchesterleistung ist in beiden Werken tadellos.

Thomas Schulz