Daniel Jones: Sinfonien Nr. 1 u. 10

Zusammen mit den eine Generation jüngeren William Mathias und Alun Hoddinott bildet Daniel Jones (1912-93) die Trinität der walisischen Musik, wobei schwer zu entscheiden ist, ob ihm die Rolle des Vaters oder des Heiligen Geistes zufällt. Es ist statthaft, in seinen Sinfonien entfernte Seegewitter zu hören, hier und da ein Nebelhorn oder das Rauschen des Westwindes über den einsamen Kambrischen Bergen – aber als walisischer Nationalheld eignet er sich nicht. Jones legte stets Wert darauf, kein komponierender Dylon Thomas zu sein, mit dem er seit Schultagen eng befreundet war und dessen Zeilen er vertonte. Dylan Thomas seinerseits porträtierte Jones 1940 in der Kurzgeschichte „The Fight“.

Als Sinfoniker gehört er zweifellos in die Premier league und nicht in die League of Wales. Sein 1947 vollendeter Erstling ist ein 50-minütiger Koloss ohne Längen oder monströse Instrumentation. Das geheimnisvoll grollende, im Fortgang obsessiv wiederholte Eingangsmotiv bleibt, einmal gehört, lebenslänglich im Gedächtnis, wie überhaupt Jones᾽ Tonsprache von unverwechselbarem Profil und Zauber ist, dabei durchaus vielschichtig, niemals auf vordergründige Wirkungen berechnet. Dass die erste Sinfonie musikhistorisch 50 Jahre zurück zu sein scheint, fällt angesichts ihrer kompositorischen und expressiven Qualität nicht ins Gewicht. Den Interpreten gelingt in dieser bereits 1990 entstandenen Aufnahme eine authentische, auratische Darstellung.

Die 1981 geschriebene zehnte Sinfonie, mit einem Glockenschlag beginnend und endend, ist wie alle späteren Gattungsbeiträge von Jones erheblich kürzer und konzentrierter geraten, dabei nicht minder sprachmächtig und fesselnd. Die Sinfonien Nr. 4 sowie 6 bis 9 liegen ebenfalls schon auf CD vor, die restlichen fünf sollen folgen.

Volker Tarnow