Händel: Ottone - George Petrou, Max Emanuel Cencic u.a.

Händels „Ottone“ wurde 1992 von Nicholas McGegan und 1993 von Robert King aufgenommen, nun hat George Petrou die 1723 uraufgeführte Oper mit Max Emanuel Cencic eingespielt. Beim Titelhelden handelt es sich um Kaiser Otto II., die Handlung spielt 972 in Rom. Teofane, Tochter des oströmischen Kaisers, ist eingetroffen, um Otto zu heiraten, doch die beiden müssen sich mit den Intrigen Adelbertos und seiner Mutter Gismonda herumschlagen, die Otto um Thron und Gattin bringen wollen. Teofanes unerkannter Bruder Emireno und Ottos Cousine Matilda liefern Querschläger.

Ottone war eine Paradepartie Senesinos, und als Teofane provozierte die Cuzzoni einen legendären Streit mit Händel. Lauren Snouffer, an deren Vibrato man sich erst gewöhnen muss, unterwirft sich den lyrischen Arien, die der Komponist seiner Diva schrieb, um die existenzielle Verlorenheit Teofanes glaubhaft zu machen, mit schöner Anmut. Und auch Cencic zeichnet im ersten Akt mit Schmelz einen der Liebe und dem Frieden zugeneigten Ottone. Am Ende nimmt der Akt Fahrt auf mit der Trotz-Arie des Adelberto, bei der Xavier Sabata seine vokale Virtuosität zeigen kann. Da muss Cencic als Ottone natürlich eins draufsetzen und den Akt mit einem Bravourstück beenden.

Manches Instrumentalstück wirkt etwas verhetzt. Damit suchte Petrou wohl der Sterilität der Studioaufnahme abzuhelfen; die Rezitative werden dadurch nicht lebendiger. Erst mit Gismondas Arie der Mutterliebe „Veni, o figlio“ vermag endlich Ann Hallenberg das Herz des Zuhörers zu berühren. Auch die Mezzosopranistin Anna Starushkevych läuft in der Furien-Arie der Matilda zu großer Form auf. Warum Bassist Pavel Kudinov die Mordlust des Piraten Emireno so trocken herunterliest wie ein Kuchenrezept, ist schwerer nachvollziehbar. Wer die melancholische Eleganz des selten gespielten „Ottone“ liebt, wird sich über die Aufnahme freuen.

Bernd Feuchtner