Maria Bulgakova, Andrej Hoteev - Wagner: Declarations of Love

Herbst 1868: Cosima ist schwanger. Noch weiß die Öffentlichkeit nichts von ihrer Liaison mit Richard Wagner, erst im November wird sie bekannt. Für Wagner eine Zeit des Glücks. Er arbeitet im Verborgenen an vier Liedern, drei nach französischen Textvorlagen, eines auf Deutsch. Es sind Bearbeitungen älteren Materials, ein „Geburtstags-Weihnachtsgeschenk“ zum 25. Dezember 1868. Sohn Siegfried kommt am 6. Juni 1869 zur Welt, und wieder werden die Lieder gesungen.

Diese „Vier weißen Lieder“ hat der russische Pianist Andrej Hoteev in einer neuen Urtext-Ausgabe ediert. Nach dieser Vorlage hat er sie nun auch mit der Sopranistin Maria Bulgakova aufgenommen. Das Album enthält außerdem die As-Dur-Sonate für Klavier, „Schlaflos“, die 2013 veröffentlichte Erstversion der „Wesendonck-Lieder“ sowie „Schmachtend“ – dies ist also eine CD, die abseits der Opern viel über Wagners Befindlichkeiten und ihre Umsetzung in Form von musikalischen Kleinbesetzungen verrät.

Andrej Hoteev hat für die in Bayreuth entstandene Aufnahme einen Steingraeber-Flügel gewählt mit leuchtendem, nie metallisch glänzendem Ton. Allerdings kann die Aufnahme nicht alle Vorzüge des Instruments abbilden. Der Raumklang erscheint nicht optimal ausbalanciert. Hoteev horcht genau in Wagners vielsagende Harmonien hinein, er arbeitet mit kleinen Verzögerungen und Beschleunigungen, hebt den intimen Charakter der Werke pianobeflissen hervor. Dass er den Hörer nicht wirklich gefangen nehmen kann, mag an den Stücken liegen, die einem Pia­nisten nicht alles abverlangen.

Maria Bulgakov singt wie Isolde im Wohnzimmer: Sie könnte mehr, doch besinnt sie sich auf die Herausforderungen der Gattung Lied. Strömende Spitzentöne, abdunklungsfähige Tiefe, kraftvolle Mittellage. Schade nur, dass ihre Textverständlichkeit so minimal ist.

Christoph Vratz