Ella Fitzgerald: Someone To Watch Over Me

Zum 100. Geburtstag von Ella Fitzgerald erschienen einige Alben, in denen die Bedeutung der First Lady Of Jazz gewürdigt wurde. Natürlich würde sich ein Fan noch mehr freuen, wenn es sich wie bei Ella With The London Symphony Orchestra „Someone To Watch Over Me“ um bislang unveröffentlichte Aufnahmen der einzigartigen Sängerin handelte. Leider verbirgt sich unter diesem vielversprechenden Titel ein Projekt, das man getrost als eher grenzwertig bezeichnen kann. Zwar ist es keine Seltenheit, das Sessions nachträglich mit einem Streichorchester „veredelt“ werden. Das belegen Aufnahmen des Gitarristen Wes Montgomery, und sogar Alice Coltrane, die Witwe des einflussreichsten Saxofonisten der Sechzigerjahre, John Coltrane, griff nach dessen Tod zu diesem Kunstgriff. Einen weiteren Höhepunkt in dieser Entwicklung stellte  „Unforgettable“ dar, ein virtuelles Duett der Sängerin Natalie Cole, das sie mit ihrem rund ein viertel Jahrhundert zuvor verstorbenen Vater sang.

Zurück zu Ella Fitzgerald: Die Streicher-Arrangements, die der britische Arrangeur & Dirigent James Morgan für historische Monoaufnahmen aus Ellas reichhaltigem musikalischen Œuvre einsetzte, sollten der Sängerin einen neuen Sound bescheren. Selbst wenn dafür das London Symphony Orchestra in den legendären Abbey Road Studios antrat, klingt das Ergebnis eher bescheiden. Zwar verliert Ellas unverwechselbare Stimme auch bei den im Nachhinein eingefügten Streicherpassagen wie in „Misty“ oder „With A Song In My Heart“ nichts von ihrer Magie, jedoch die Originalaufnahmen mit Combo- oder Big-Band-Begleitung der Vokal-Lady aus den Fünfzigerjahren sind für mich überzeugender. Ob Ella Fitzgerald mit dem derzeit angesagten Sänger Gregory Porter tatsächlich für „People Will Say We’re In Love“ ein Duett eingespielt hätte, sei dahingestellt. Da war Louis Armstrong, der sie auf zwei Stücken begleitet, doch eher auf der sicheren Seite.

Gerd Filtgen