François-Xavier Roth | David

Hector Berlioz’ enthusiastische Besprechung der Sinfonischen Ode „Le désèrt“ nach der Pariser Uraufführung 1844 hat nicht verhindern können, dass ihr Komponist Félicien David heute weitgehend vergessen ist. Nachdem David mit einer Gruppe Saint-Simonisten durch den Orient gereist war, hatte er seine Eindrücke aus der Wüste auf sehr bemerkenswerte Weise in Musik gegossen. „La damnation de Faust“ folgte durchaus dieser Form, César Franck komponierte eine „Ruth“, und David selbst ließ seinem Erfolgsmodell 1846 „Moïse en Sinaï“ und 1847 „Christophe Colomb“ folgen. Es ist äußerst erfreulich, dass Palazzetto Bru Zane das letztgenannte Werk jetzt restauriert hat. Auf zwei weiteren CDs kann man Vokal-, Orchester- und Kammermusik entdecken, darunter das krasse „Jüngste Gericht“, die ursprünglich geplante Schlussszene von Davids Oper „Herculanum“.

Das Problem liegt wohl darin, dass an Davids Ode-Symphonie gar nichts Sinfonisches ist. Man kann sie am ehesten mit den Oratorien seines Zeitgenossen Mendelssohn vergleichen, der ihm aber in jeder Hinsicht überlegen war. Nimmt man sie aber so, wie sie ist, hat man an der charmanten Ode seine Freude. In vier Teilen schildert sie die Entdeckerfreude bei der Abfahrt des Kolumbus, dann eine Tropennacht samt Sturm, eine Windstille mit Aufstand der Seeleute und schließlich die Ankunft in der Neuen Welt. Der Text stammt zwar von Joseph Méry, dem Librettisten von Verdis „Don Carlos“, ist aber ganz naiv: Am Ende erfreuen sich die Wilden ihres Lebens, und Kolumbus predigt seinen Leuten, die Ureinwohner zu respektieren und wie Brüder zu behandeln. François-Xavier Roth liefert mit dem Flämischen Radiochor und dem Orchester Les Siècles eine frische und kurzweilige Interpretation, aus der besonders das Lied des Schiffsjungen (Julien Behr) und die Klänge der Indianer herausragen.

Bernd Feuchtner