Intensiv

Das Klavierduo Takahashi/Lehmann überzeugt auf dieser CD nicht nur mit seinem Spiel, sondern überrascht mit einem sehr anspruchsvollen Programm, das Transkriptionen bietet, welche die Komponisten selbst von ihren Werken angefertigt haben. Das Duo verzichtet hier auf jegliche salonhafte Musik und meidet auch die ausgetrampelten Pfade, die man mit Schuberts f-Moll-Fantasie oder Brahms „Ungarischen Tänzen“ so gern zu beschreiten pflegt. Es scheint fast, dass die Interpreten sich bewusst vom herkömmlichen Repertoire abgewendet haben, um dem Duo-Musizieren eine intellektuelle Strenge und musikalische Würde zu geben.

Die ausgewählten Werke jedenfalls sind zentrale Epochenmusik: Beethovens „Große Fuge“ op. 134 ist nicht nur ein komplexes Opus aus des Komponisten Spätwerk, sondern beschwört den polyphonen Geist Bachs herauf, Schumanns zweite Sinfonie verweist in ihrer romantischen Hochblüte wiederum auf Beethoven, und Schönbergs Kammersinfonie op. 9 bezieht sich gleichermaßen auf die von Beethoven und Schumann geschaffenen Kompositionsprinzipien und öffnet den Weg in die Moderne.

Diese Dichte und gegenseitige Bezugnahme in der Programmauswahl korrespondiert eindringlich mit dem hervorragend aufeinander abgestimmten Spiel des 2009 gegründeten Duos. Norie Takahashi und Björn Lehmann, beide Schüler von Klaus Hellwig in Berlin, durchdringen die unterschiedlichen Sphären mit geistiger wie manueller Intensität, und es gelingt ihnen, den jeweiligen Werkcharakter von Beethovens Sprödigkeit über Schumanns Enthusiasmus bis Schönbergs experimenteller Wucht unter dem Mikroskop der Klavierfassungen klar hervortreten zu lassen.

Frank Siebert