Der ursprünglich bereits im 15. Jahrhundert aus China nach Japan eingeführte Goldfisch gehört auch hierzulande zu den beliebtesten Zierfischen. Dem Mythos nach symbolisiert er Glück und Erfolg. Das hat im künstlerischen Bereich Aki Takase, die sich nicht mit dem Erreichten zufriedengibt und immer nach neuen Ausdrucksformen sucht. Schon aus diesem Grund wäre es falsch, die schon lange Zeit in Deutschland lebende japanische Pianistin auf nur eine stilistische Ebene festzulegen: Die Skala ihrer musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zieht sich von traditioneller Folklore ihrer Heimat über Modern Jazz bis hin zur Avantgarde.

Diese unkonventionelle Herangehensweise verdankt sie Yosuke Yamashita, einem ihrer Lehrer, der sie dazu anregte, sich unvoreingenommen mit unterschiedlichen musikalischen Materialien auseinanderzusetzen. Auf „Tama Goldfish“ demonstriert sie mit ihrem Trio, mit welcher Sensibilität sie sich auf die unterschiedlichen Stimmungen einlässt, die ihre  Kompositionen hervorrufen. Mit dem ihrer Mutter gewidmeten „Ditoma“ beginnt eine vielschichtige Klangreise, die mit lyrischen Tönen, aber auch mit äußerst bewegten Aktionen einen kreativen Prozess entfacht. Takases energisch hingetupfte Töne des Albumtitels nehmen nach Einstieg des Bassisten Jan Roder und des Drummers immer mehr an Tempo zu und erinnern an die schnellen, fließenden Bewegungen eines Goldfisches.

In „The City In The Piano“ kommt die Bildhaftigkeit in der Welt der Pianistin besonders gut zur Geltung. Das Stück klingt, als ginge sie zunächst versonnen die Straßen einer Metropole entlang, bis sie  – angeregt durch ihr Rhythmus-Team – auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam wird, die sich dann in ihren melodischen Motiven widerspiegeln. „Bell The Cat“ steckt voller lustiger Verweise auf soulige Jazz-Zeiten, und Takases „My Calypso“ bildet den fröhlichen Ausklang.

Gerd Filtgen