Was verbindet Donald Trump und die klassisch-romantische Musik nordamerikanischer Faktur? Beide haben deutsche Vorfahren. Trumps Großvater stammte aus der Pfalz. Und auch die „amerikanische Welt der Symphonik, der Oper und des Musiktheaters steht auf einem grundlegend deutschen Fundament“, meint Dirigent John Mauceri im Booklet dieser Einspielung von „The Student Prince“. Auf jeden Fall hatte der Komponist Sigmund Romberg als Siegmund Rosenberg in Wien studiert, war aber bereits 1909 nach Amerika ausgewandert und dort 1919 eingebürgert worden.

Seine Operette nach dem Schauspiel „Alt Heidelberg“ von Wilhelm Meyer-Förster kam 1924 am Broad­way heraus und stellte einen Weltrekord auf: Sie lief dort ununterbrochen länger als jede andere Broadway-Show bisher. Der Erfolg dieser bittersüßen, in Resignation endenden Liebesstory zwischen dem in Heidelberg studierenden Erbprinzen Karl-Franz von Sachsen- Karlsberg und der bürgerlichen Kathi hat für Mauceri unmittelbar mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Bewusstsein zu tun, dass nichts mehr so sein wird wie es war: ein Traum von einer Zeit, die so womöglich nie existiert habe. Auf jeden Fall benützte Romberg die Grammatik der silbernen Wiener Operette, glich diese zugleich dem Broadway-Idiom jener Zeit an.

Die vorliegende Einspielung beruht auf einer konzertanten Aufführung aus dem Jahr 2012 mit dem WDR Funkhausorchester, das die Begeisterung John Mauceris für das Werk freudig teilt. Dominik Wortig als Karl-Franz, Anja Petersen als Kathi und Frank Blees als Hauslehrer des Prinzen sind sympathische Interpreten ihrer Partien (wenn auch ihr Englisch die deutsche Zunge nicht verleugnen kann, was freilich als „lokale Farbe“ durchgehen darf). Vielleicht bringt die CD ja auch in Deutschland Nachfolgeaufführungen mit sich. Ob nostalgische Träume unserer Zeit noch helfen können?  

Gerhard Persché