Peter Fessler | Two in One: The Concert

„Two in One“ – ist es nicht das Bestreben jedes Ensembles, wie eine Einheit zu klingen, Einzelstimmen zum Ganzen zu verschmelzen? Einen ungewöhnlichen Weg schlagen Peter Fessler und Peter Weniger als Duo dabei ein. Der Gitarre spielende Vokalist und der Saxofonist tauschen praktisch die Rollen: Der Bläser „singt“, der Sänger begleitet mit Stimme und Akustikgitarre. Der Konzertmitschnitt zeigt: Die Idee hat was, doch live bleibt noch Luft nach oben.
Beide Peters zählten Ende der 1980er- Jahre zu den Aufsteigern der deutschen Szene. Fessler machte kurz mit der Popband Trio Rio Furore (Hit: „New York-Rio-Tokio“), dann zog es ihn zum Jazz und zu brasilianischer Musik. Sein enormer Tonumfang, seine atemberaubende Vokaltechnik, gerade auch solo zur Gitarre, beeindruckten allenthalben. Saxofonist Weniger galt bald als einer der besten im Lande, mit Partnern wie Hubert Nuss oder David Friedman sammelte er gerade im Duospiel Erfahrung. Die beiden Peters kennen sich seit Kölner Studienzeiten; dass sie sich mal zusammentun würden, war nur eine Frage der Zeit.

Neben einem deutlichen Brazil-Schwerpunkt mit Klassikern von Luiz Bonfá, Tom Jobim und Baden Powell besteht das Programm aus Fessler-Originals, einem Stevie-Wonder-Song und deutschem (Volks-) Liedgut. Die Melodieführung fällt Weniger zu, und sobald sein ausdrucksvolles Sopran erklingt, geht fürwahr die Sonne auf. Fessler seinerseits führt die Stimme „instrumental“, wie ein Cello im Kammer-
ensemble, er erfindet Neben-/Gegenlinien und spielt dazu Gitarre. Statt Texte singt er Volkalisen und Klangfarben, Scats und Obertongesang – all das, was er als „Fesperanto“ bezeichnet –, steht damit aber oftmals gar zu sehr im Vordergrund. Es mag am Mixing liegen, vielleicht „saß“ auch das Zusammenspiel noch nicht so recht, aber von Fessler hätte man eine subtilere Modulation erwartet.

Berthold Klostermann