Yulianna Avdeeva | Bach

Obwohl ihre Kernkompetenz in den Werken Schuberts und Chopins verortet ist, überrascht die russische Pianistin mit ihrem Bach-Recital, das in seiner emotionalen Zurückhaltung keine romantische Emphase zulässt. Zwar nutzt sie mit satter Vollgriffigkeit den ganzen Klangraum des Flügels – sie bleibt dennoch zurückhaltend, ja, seltsam gebremst im Ausspielen großer Gesten wie im Beginn der D-Dur-Toccata, die mehr expressive Wucht vertragen hätte. Auch der einleitenden Ouvertüre zu BWV 831 mangelt es an spielerischer Eleganz und luxurierender Großzügigkeit. Die kühn gemeißelte Konturierung der Werke behält in dieser konsequent herben Bach-Deutung die Oberhand.

Frank Siebert