Einen prominenten Fürsprecher hat Carl Philipp Emanuel Bach da: Emmanuel Pahud, der Soloflötist der Berliner Philharmoniker und überhaupt zur  Zeit der einzige Flötist mit Breitenwirkung. Nun könnte man einwenden, dass Pahud – mittlerweile schon 20 Jahre auf dem Plattenmarkt aktiv – eben schon alles andere eingespielt hat, auch die sämtlichen Sonaten vom Vater Bach mit Trevor Pinnock am Cembalo. Dass Pahud nun wiederum mit Pinnock und der Kammerakademie Potsdam drei Flötenkonzerte des Bach-Sohnes aufgenommen hat, hat allerdings mit seiner echten Begeisterung für die Musik Carl Philipp Emanuels zu tun.

In die Welt am Potsdamer Hof Friedrichs des Großen hat sich Pahud bei der Vorbereitung seiner „Flötenkönig“-CD eingefuchst; die musikalischen Entwicklungen und Brüche im Umfeld des Preußenkönigs haben es dem Flötisten angetan. Dabei denkt er kulturgeschichtlich so weit, wie es unter Instrumentalisten – Bläsern zumal – eher selten ist. Für Pahud spiegelt sich in Emanuels Musik gar eine „Sehnsucht nach einem neuen, republikanischen Deutschland“. Wenn dazu der Ausdruck selbstbewusster Individualität gehört, vermag Pahud das exzellent zum Klingen zu bringen. Dass die musikalische Sprache des Bach-Sohnes vor allem eben „sprechend“ ist, hat der Flötist verinnerlicht. Die Geziertheiten, Gespreiztheiten, auch das Verschmockte des Ausdrucks präsentiert Pahud mit entwaffnender Selbstverständlichkeit; die langsamen Sätze in ihrem trauernden Affekt kostet er tief aus, Schlusssätze wie jener des Konzerts in G-Dur Wq 169 tragen Züge eines Übermuts an der Grenze zur Affektiertheit. Pahud bleibt bei all dem auf dem Boden, vermag sich die Gefühlswelten jedoch passgenau zu eigen zu machen. Neben den spannkräftig begleitenden Postdamern wohl einer der Hauptgründe, weshalb Carl Philipp Emanuels Musik hier eine stabile Erdung erhält, die keine andere Wahl lässt: Man sollte ihn nicht unterschätzen.

Clemens Haustein