Es gehört schon Mut, ja Chuzpe dazu, heute als junger Jazzer mit einem Klaviertrio zu debütieren. Als ob in dieser Königsgattung, die in der Klassik vielleicht nur im Streichquartett ihre Entsprechung findet, nicht alles gesagt sei. Immerhin lauern am Horizont die Giganten: ein Bill Evans etwa, Keith Jarrett, Brad Mehldau oder – wieder ganz anders – Stefan Wollny und Joachim Kühn. Aber der deutsche Pianist Max Petersen scheint in ihnen allen nur Wegmarken zu erkennen. Denn er macht sich unbeirrt auf seinen Weg – allein das ist schon mal sympathisch.

Am Anfang steht Cole Porters „Dream Dancing“. Und es beginnt so brüchig, als sei Petersen sich nicht sicher, ob es überhaupt lohnt, diesen Klassiker noch einmal durchzubuchstabieren – mit einer bloßen Tonreihe, harmonisch immer wieder angezweifelt, bis sich das Thema herausschält. Dazwischen bricht Petersen ins Klassische aus, fängt sich wieder, mündet erneut ins Thema ein. Allein das ist schon ein Parcour, der rein pianistisch bewältigt werden will. Sich selbst verortet Petersen, der u. a. bei Vijay Iyer in New York und bei Chris Wiesendanger in Zürich studiert hat, zwischen amerikanischem und europäischem Jazz. Zusätzlich räumt er unverhohlen ein Interesse an spätromantischer und impressionistischer Musik ein. All das hört man. Und als wäre es nicht genug, kann er auch schon mal Monk’sch daherkommen – wie in der Eigenkomposition „Take Easy Thai“.

Vielleicht ist es Petersens eigentliche Leistung, dass das alles nicht in Einzelteile zerfällt, sondern durchaus als homogene CD herüberkommt. Unaufgeregt, aber punktgenau und trocken sekundiert Lukas Traxel am Standbass. Der New Yorker Drummer Jimmy Macbride shuffelt im Hintergrund genauso groovig wie sensibel. Manches an dieser Combo muss sich noch einschleifen. Aber der Anfang klingt ungeheuer vielversprechend!

Tilman Urbach