Christopher Dell | monodosis II

Mutige Alleingänge eines Vibrafonisten, der auch noch vieles andere tut als nur inspiriert klöppeln, ein Meister auf vielen Wissensgebieten mit spärlichem Album-Output. Die erste Solo-CD, vibes only, hieß (erraten) „monodosis“ und kam 2005 heraus, war vielleicht weniger virtuos (mit bis zu vier Klöppeln), in jedem Fall aber entspannter als diese zweite CD aus der „reihe neue zeit“. Ja, designmäßig sind wir wieder bei der edition suhrkamp gelandet, aber das war bei Christopher Dell ja schon immer so. Die Folge II der Monodosien enthält eine starke Dosis, viel Abstraktes in Form von 23 Darbietungen, alle schön durchnummeriert nach ihrer Entstehung sowie auf dem Backcover als „monodosis II fond“ aufgelistet. Hier nun die erste Überraschung: Den Fond 23 gibt’s nicht, dafür einen Fond 24. Und, siehe da, die Gesamtspieldauer aller „monodosis II fond“(s) beträgt satte 71:55 Minuten.

Wir lieben sehr (fast) alles von Milt Jackson, Gary Burton, Red Norvo, Walt Dickerson, Dave Pike, Gunter Hampel und Warren Smith (auf Alben von Muhal Richard Abrams), die großen Vibes-Spieler nach Lionel Hampton. Nun also die „monodosis II“ mit Christopher Dell – vergessen wir für einen Moment seine Bert-Kaempfert-Platte von 2007, es gab auch schöne Ambient-Music („Salzau on the Water“). Da hatte er längst sein Berklee-School-Studium hinter sich, das im „Gary Burton Jazz Award“ gipfelte. Die Dell’sche Website präsentiert eine stolze Liste weiterer Preise und Ehrungen nebst Fernreisen fürs Goethe Institut, das Engagement für Psychologie und Architektur usw. Wie leuchtende Verkehrsströme im Zeitraffer huschen die Töne vorbei, das kennt man aus vielen Filmen, Inseln der Ruhe sind etwas selten, insgesamt etwas mo-no-ton.


Karl Lippegaus