Rezension August 2018

Lucile Richardot | Perpetual Night: 17th Century

Bei den ersten Tönen meint man, einen Countertenor zu hören. Aber einen sehr guten, im Vibratolosen ganz frei resonierend. Mit ihrem Album „Perpetual Night“ treffen die Mezzosopranistin Lucile Richardot und das Ensemble Correspondances unter Leitung von Sébastien Daucé tief in jene leicht melancholisch gefärbten Stimmungen, die wir gemeinhin mit dem englischen Lautenlied des 17. Jahrhunderts verbinden.

Die reine Lautenbegleitung bildet auf dieser Aufnahme jedoch nur den Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung dieser Gattung am britischen Hof unter dem Einfluss der frühen italienischen Barockmusik. Dieser etablierte auch das Begleiten der Melodie auf der Basis der notierten Generalbasslinie in England. Die Freiheit, die dies den Instrumentalisten eröffnet, nutzt das Ensemble für ein sehr ausgewogenes Klangbild, in das Harfe, Laute, Theorbe und auch Cembalo viele schöne Schattierungen einbringen, alles ganz gediegen, ohne starke Affekte. Einige mehrstimmig-vokale und zwei kurze Instrumentalsätze (John Jenkins, Matthew Locke) ergänzen die Beiträge von Lucile Richardot.

Den Löwenanteil machen die von ihr vorgetragenen „Ayres and Songs“ aus, wie Robert Johnson, William Lawes, Nicholas Lanier, John Banister, James Hart und auch John Blow und Henry Purcell („When Orpheus sang“) sie in Töne gesetzt  haben. Das gut geschriebene, leider nicht auf Deutsch übersetzte Beiheft gibt anhand der einzelnen Komponisten einen kurzen Überblick über die politischen und künstlerischen Entwicklungen des Jahrhunderts, als dessen End- und Höhepunkt uns Heutigen Purcell erscheint, das in seinem Verlauf jedoch viele Meister der sanft deklamierenden Textbehandlung hervorgebracht hat. Die hohe Musikalität von Lucile Richardot, ihre makellose Stimmführung bei gleichzeitig verführerisch-strömender Tongebung machen dies empfind- und erlebbar.

Johannes Schmitz