Rezension Juni 2018

Scherzi Musicali | Giovanni Felice Sances

Giovanni Felice Sances gehörte zu den Wegbereitern der italienischen Kantate, die durch den Wechsel von Arien und Rezitativen, der bei ihm immerhin oftmals schon angedeutet wird, der Oper sehr nahe stand. Dass sich Nicolas Achten nach seiner Einspielung einiger Motetten Sances’ (Ricercar 2010) nun dem weltlichen Repertoire widmet, ermöglicht wunderbare Einsichten in die Entwicklung der verschiedenen Vokalgattungen.

Annähernd 300 Kompositionen auf italienische Liebeslyrik für eine bis sechs Stimmen hat Sances nachweislich geschrieben, doch hat offenbar nur ein kleiner Teil davon überlebt. Da er seit 1636 am Kaiserhof zu Wien wirkte, an dem er 1669 zum Hofkapellmeister avancierte, blieb seine Wirkung nicht auf Italien beschränkt; Grund genug, sich intensiver um seine Werke zu kümmern.

Bei einem Lautenisten, der auch eine cembalistische Ausbildung erhalten hat, verwundert es nicht, wenn dieser der Conti­nuo-Stimme besonderen Ausdruck verleihen möchte. Die ausgesprochen üppige Continuo-Besetzung mag historisch übertrieben erscheinen, die Mitwirkung der Gitarre wird allerdings schon durch die Akkordgriffe gerechtfertigt, die in den Partituren verzeichnet sind. Doch ohnehin nutzt Achten die verschiedenen Instrumente zu sehr unterschiedlichen Charakterisierungen von Personen und Affekten. Das geschieht derart plausibel und nachvollziehbar, dass philologische Bedenken gegenstandslos werden. Erneut gelingt es Achten und seinen vorzüglichen Sängern, die häufig zwischen Verzweiflung und Hoffnung changierende Affektsprache der Kompositionen punktgenau umzusetzen, ohne je den Eindruck der Affektiertheit oder Künstelei zu erwecken. Mit ungewöhnlicher Sensibilität spüren sie dem Textgehalt nach und vermitteln diesen mit großer Natürlichkeit. So werden die heute leider reichlich vernachlässigten und doch so originellen Petitessen von Sances richtig spannend.

Reinmar Emans